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Sonnenhäuser sind Niedrigenergiegebäude, die mindestens die Hälfte ( 50% ) der jährlich benötigten Wärme für Raumheizung und Brauchwasser mit Hilfe einer Solaranlage erzeugen. Der restliche Wärmebedarf kann mit jeder Wärmequelle gedeckt werden, in der Regel kommt eine Biomasseheizung zum Einsatz, meist eine Stückholz- oder Pelletsheizung. Dadurch werden der nicht erneuerbare Primärenergiebedarf und die CO2-Emissionen besonders stark reduziert.

März 2014 Initiative Sonnenhaus Österreich

Aus welchen Komponenten besteht ein Sonnenhaus?

 

Grundvoraussetzung ist ein Niedrigenergiehaus mit einer sehr guten wärmedämmenden Gebäudehülle. Für die Wärmeversorgung sind vier Heizkomponenten zuständig.

(1) Die Sonnenkollektoren sammeln die Sonnenwärme ein. Diese sind beim Sonnenhaus steiler als bei Warmwasserkollektoren aufgestellt, um möglichst viel Wärme von der Sonne im Winter zu erhalten.

(2) Ein größerer Solarspeicher im Gebäudeinneren speichert die Sonnenwärme über mehrere Tage oder Wochen.

(3) Eine Zusatzheizung sorgt auch dann für angenehme Raumtemperaturen, wenn während längerer sonnenarmer Perioden im Winter die Wärme im Tank knapp wird.

(4) Niedertemperatur-Flächenheizungen verteilen die Wärme bedarfsgerecht und individuell regelbar in den Räumen.

Gibt es Qualitätskriterien/Standards für Sonnenhäuser?

Nach den Kriterien der Initiative Sonnenhaus Österreich muss ein Sonnenhaus einen sehr guten Dämmstandard aufweisen. Allerdings braucht es dabei nicht den überdurchschnittlich hohen Dämmstandard eines Passivhauses erreichen. Die Anforderungen der OIP müssen 45 kWh/m²a erfüllt werden. Wird ein Altbau zum Sonnenhaus umgerüstet, müssen ebenfalls mindestens die 45 kWh/m²a erfüllt werden. Ein weiteres Qualitätskriterium für ein Sonnenhaus ist natürlich der solare Deckungsgrad. Mindestens 50 Prozent des gesamten jährlichen Wärmebedarfs für Raumheizung und Brauchwasser müssen solar gedeckt werden. Als drittes Qualitätskriterium kommt der spezifische Primärenergiebedarf hinzu. Beim Sonnenhaus-Neubau gilt es den maximalen Wert von 50 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr nicht zu überschreiten.

Wie groß sind die solaren Erträge? Gibt es Sonnenhäuser, die zu 100 Prozent mit Solarwärme versorgt werden?

Eine ausschließliche solare Beheizung ( 100% ) von Gebäuden ist grundsätzlich zwar machbar, aber heute noch nicht wirtschaftlich. In erster Linie werden Sonnenhäuser mit einem solaren Deckungsgrad zwischen 50 und 80 Prozent gebaut. Die Praxis zeigt, dass ein Deckungsgrad von etwa 60 bis 75 Prozent am wirtschaftlichsten ist. Ja, es gibt Sonnenhäuser, die zu 100 Prozent solar beheizt werden. Darunter befinden sich Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie Nutzgebäude. Das Sonnenhaus-Konzept hat allerdings nicht als oberste Priorität, möglichst einen solaren Deckungsgrad von 100 Prozent zu erreichen. Vielmehr geht es darum für die Beheizung des Gebäudes eine ausgewogene und ökologisch wie wirtschaftlich vertretbare Mischung aus Sonne und Holz zu finden. Bewährt hat sich ein Energiemix aus rund zwei Drittel Sonne und einem Drittel Holz. So kommt beispielsweise ein gut gedämmtes Einfamilienhaus mit zwei bis vier Raummetern Holz durch den Winter.

Um 50 bis 80 Prozent der Wärme für ein gut gedämmtes Einfamilienhaus solar zu erzeugen, ist in der Regel eine Kollektorfläche von 30 bis 70 Quadratmetern erforderlich. Der mit Wasser gefüllte Solarspeicher soll möglichst lange die Wärmeenergie der Sonne speichern. Deshalb beträgt das Speichervolumen der Solartanks etwa 4.000 bis 10.000 Liter für Ein- und Zweifamilienhäuser (solarer Deckungsgrad 50 bis 80 Prozent). Die Zusatzheizung beliefert den Speicher mit Wärme, wenn die Sonne während langer dunkler Wintertage nicht ausreicht. Ein Pellets-, Kamin- oder Kachelofen mit Wassereinsatz kann für zusätzlichen Wohnkomfort sorgen. Die Verteilung der Wärme aus dem Solartank erfolgt über ein Flächenheizsystem in Form von Wand- oder Fußbodenheizungen. Sie ermöglichen eine optimale Ausbeute der Solarwärme, da sie mit relativ niedrigen Vorlauftemperaturen auskommen.

Produziert ein Sonnenhaus auch Sonnenstrom auf dem eigenen Dach?

Die vorhandene Südfläche auf dem Dach oder an der Fassade wird in erster Linie für die Unterbringung von thermischen Solarkollektoren genutzt, da die solare Wärmegewinnung sehr wirtschaftlich ist.. Die solare Stromgewinnung steht beim Sonnenhaus daher erst an zweiter Stelle. Dennoch produzieren viele Sonnenhäuser auch Sonnenstrom, wenn zuvor ausreichend thermische Kollektoren untergebracht worden sind. Dadurch dass Sonnenhäuser der solaren Wärmegewinnung den Vortritt lassen, leisten sie einen erheblichen Anteil dazu, den allgemeinen Energiebedarf um ein Vielfaches zu senken. Die privaten Haushalte verbrauchen rund ein Drittel vom gesamten österreichischen Energiebedarfs. Von diesem Drittel fallen ca.85 Prozent auf die Bereitstellung von Wärme für Raumheizung und Brauchwasser! Der Strombedarf für Hausgeräte, Beleuchtung und Kochen macht dagegen nur 13 Prozent vom Gesamtenergiebedarf aus. Es ist also wesentlich sinnvoller an einem zu beheizenden Gebäude den thermischen Kollektoren den Vortritt zu lassen und eine Photovoltaik-Anlage erst dann zu installieren, wenn dafür Fläche (und Geld) übrig bleibt.

Ist bei einem Sonnenhaus eine Lüftungsanlage erforderlich?

Für ein Sonnenhaus ist es nicht zwingend erforderlich eine Lüftungsanlage einzubauen. Sonnenhäuser funktionieren auch ohne Lüftungsanlage. Eine automatische Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung wird oft aus Komfortgründen oder um den solaren Deckungsgrad zu erhöhen verwendet ., Zu beachten ist eine regelmäßige Reinigung (Filterwechsel) und Wartung der Anlage. Menschen, die gerne mit offenen Fenstern leben und lüften entscheiden sich oft gegen eine Lüftungsanlage.

Kann im Sonnenhaus die Temperatur in den einzelnen Räumen frei geregelt werden?

Im Sonnenhaus ist die Temperatur in jedem Raum einzeln und je nach individuellem Wärmeempfinden regelbar. Es wird mit wassergeführten Heizungen geheizt, in der Regel Flächenheizungen in Fußböden und Wänden. Im Sonnenhaus ist es möglich unterschiedliche Temperaturzonen zu schaffen, die sich nach dem jeweiligen Bedarf der unterschiedlich genutzten Zimmer richten.

Welchen Mehrwert bietet ein Sonnenhaus?

Die Sonne stellt ihre Wärme kostenlos zur Verfügung. Sonnenenergie wird niemandem weggenommen, nicht über Zwischenhändler weiterverkauft und niemals aufgebraucht. Die Sonne schickt ihre Energie im absoluten Überfluss. Wenn es um eine zuverlässige und bezahlbare Wärmeversorgung geht, sind Sonnenhaus-Bewohner immer auf der sicheren Seite. Lediglich ein geringer Bedarf Zusatzwärme ist im Sonnenhaus noch erforderlich. Zum Beispielzusätzlich zwei bis vier Raummeter Holz pro Jahr für ein Einfamilien-Sonnenhaus ermöglichen sehr niedrige Energiekosten.

Benötigen Architekten, Fachplaner und Handwerker ein spezielles Wissen, um ein Sonnenhaus zu errichten?

Architekten, Fachplaner und Handwerker ( Baumeister, Installateure ) sollten sich auf jeden Fall wissen, worauf es beim Sonnenhaus-Konzept ankommt, bevor sie mit dem Bau oder der Planung eines Sonnenhauses beginnen. Beim Sonnenhaus sind Dinge zu beachten, welche bei einer Standardbauweise nicht ganz so wichtig sind. Das beginnt bei der Wahl eines für Sonnenhäuser geeigneten Grundstücks, geht weiter bei der richtigen Dimensionierung und Positionierung der Kollektoren und des Pufferspeichers und erfordertauch eine wärmebrückenfreie Gebäudedämmung. Architekten, Planer und Handwerker sollten also unbedingt Sonnenhaus-Fachkenntnisse aufweisen. Dafür bietet die Initiative Sonnenhaus Österreich unterschiedliche Schulungen und Seminare an.

Wie kann der große Wasserspeicher im Haus untergebracht werden?

Für das Heizkonzept im Sonnenhaus eignet sich am besten ein hoher und schlanker Wassertank. Das ist für die Temperaturschichtung sehr wichtig. Meist reicht er über zwei Stockwerke. Als prägendes Gestaltungselement inszeniert erscheint er als ummauerte runde Wandfläche. Die Treppe ins Obergeschoss kann zum Beispiel um den Speicher gewendelt werden. Natürlich kann er auch so in das Gebäude integriert werden, dass er nicht wahrgenommen wird. Wichtig ist ihn im Gebäude zu platzieren, so dass seine Abwärme im Winter der Raumbeheizung zugute kommt ohne im Sommer zu stören, da der Speicher sehr gut isoliert ist. Bei zu viel Wärme im Sommer kann der Speicher auch nachts über die Kollektoren abgekühlt werden.

Was kostet eine Sonnenheizung und wie lange kann sie genutzt werden?

Die Kosten eines Sonnenhauses sind vor allem abhängig vom gewünschten solaren Deckungsgrad, also von der Größe der Solaranlage. Solaranlagen, also Kollektoren und Speicher incl. Montage kosten etwa. € 700,- bis € 1.000,- je m² Kollektorfläche , wobeider höhere Preis je m² bei kleineren Anlagen, der niedrigere Preis bei größeren Anlagen zu kalkulieren ist, da der Preis für Speicher und Zubehör nicht proportional zur Kollektorfläche steigt); Hier kann man dann noch Förderungen abziehen, die regional unterschiedlich sind..

Die gesamten Mehrkosten eines Sonnenhauses im Vergleich zu einem konventionellen Niedrigenergiehaus betragen etwa 8% bis 15%. Allerdings hat praktisch jedes Niedrigenergiehaus auch eine Solaranlage zur Warmwasserbereitung, die beim Sonnenhaus automatisch dabei ist. In diesem Fall reduzieren sich die Mehrkosten auf 5% bis 10%.

Dem stehen Einsparungen von mehr als 50Prozent der Energiekosten für Heizwärme und Warmwasser gegenüber. Hier muss man auch zukünftige Energiepreissteigerungen einrechnen; beispielsweise hat sich der Preis von Heizöl in den vergangenen 25 Jahren fast vervierfacht.

Die Mehrinvestition in ein Sonnenhaus ist auf jeden Fall gut angelegtes Geld, da die Technik ausgereift und das Konzept zukunftsfähig ist. Das mehr investierte Geld amortisiert sich auf jeden Fall., denn die minimale Nutzungsdauer einer Solaranlage beträgt über 25 Jahre und zumeist muss dann nur die Dichtung erneuert oder die Pumpe ausgetauscht werden . Bewohner des Sonnenhauses sind unabhängig von Energiekrisen und schützen aktiv unsere Umwelt und leisten einen wichtigen Beitrag für deren Erhalt. Und das ist ein Mehrwert, der unbezahlbar ist.

 
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